Hybride Lernformen sind die neue Normalität Meldung vom:
Interview mit Vera Moser, Geschäftsbereichsleiterin Lernunternehmen im BFW Frankfurt am Main
Seit der Corona-Pandemie sind hybride Lernformen in den Berufsförderungswerken zur neuen Normalität geworden. Was genau ist damit gemeint?
Bei hybriden Lernformen handelt es sich um eine Kombination aus Lernen in Präsenz und Lernen mobil, beispielsweise im Homeoffice. Genutzt und verzahnt werden dafür im BFW Frankfurt am Main verschiedene Elemente. Zum einen ist das die seit vielen Jahren etablierte Lernplattform Moodle, die nach dem Prinzip des virtuellen Klassenraumes Kursangebote für alle Qualifizierungen anbietet sowie digitalen Zugriff auf Lernmaterialien und den Chat innerhalb von Teilnehmergruppen ermöglicht. Auch Leistungsnachweise und Klausuren erfolgen über diese Plattform. Virtuelle Konferenz-und Kommunikationstools wie Microsoft Teams unterstützen die mobilen Lernformen. Gleichzeitig bieten sie die Chance, die Qualifizierung in Präsenz mit der Online-Qualifizierung zu verbinden – in dem diejenigen Teilnehmer*innen zugeschaltet werden, die aus gesundheitlichen Gründen nicht am Präsenzangebot teilnehmen können.
Wie läuft die Qualifizierung nun konkret ab?
Im BFW Frankfurt am Main ist uns der Schutz der Teilnehmer*innen sehr wichtig. Wir haben daher umfassende Maßnahmen implementiert. Dazu gehören Infektionsschutz, Hygienebestimmungen und das Einhalten des Sicherheitsabstands von 1,5 m. Damit das gut gelingt, haben wir ein rollierendes System entwickelt, bei dem die Teilnehmenden im Wechsel von Präsenzphasen im BFW Frankfurt am Main und mobilem Lernen im Homeoffice qualifiziert werden. Die hybriden Lernformen bilden hierfür die Voraussetzung.
Wie sieht das hybride Lernen in der Praxis aus? Haben Sie ein Beispiel?
Ja, zum Beispiel ein Elektronik-Projekt: In der Zeit des mobilen Lernens am häuslichen Lernort entwickelten Ausbilder des Elektronikbereichs Programmierübungen mittels Arduino, einer aus Soft- und Hardware bestehende Physical-Computing-Plattform, die die Teilnehmenden in der Programmiersprache „C“ programmieren sollten – der für den Einstieg gängigsten Programmiersprache. Die Hardware hatten die Teilnehmenden zur Verfügung gestellt bekommen, so dass sie im Homeoffice die ersten Schritte der C‐Programmierung vornehmen konnten. Die Arbeitsaufträge wurden Online gestellt und die Aufgaben über das Lernportal Moodle bearbeitet. Über Moodle erfolgte dann auch das Testen der zurückgesandten Programme.
Ist das Lernen mit hybriden Lernformen eher eine Notwendigkeit, um die aktuellen Gegebenheiten bestmöglich zu gestalten oder sind auch Vorteile damit verbunden?
Ganz klar bringen die hybriden Lernformen Vorteile und Chancen mit sich! Sie ermöglichen noch mehr Individualisierung – gerade für Teilnehmende, die aufgrund ihrer spezifischen gesundheitlichen Einschränkung auf eine individuell auf sie abgestimmte Qualifizierungsform angewiesen sind. Insgesamt ermöglichen die neuen Lernformen Angebote in Teilzeitpräsenz, die neue Zielgruppen erschließen werden.
Darüberhinaus fördert das Lernen im Homeoffice eine strukturierte Arbeitsweise und Medienkompetenz. Die Teilnehmenden werden damit für Arbeit 4.0 und ihre spätere Integration gut gerüstet.
Aber das hybride Lernen hat auch Grenzen. Berufliche Rehabilitation ist nicht komplett digitalisierbar. Die Ausprägung sozialer Kompetenzen und die entscheidenden Hilfestellungen der Fachdienste erfordern Präsenzphasen.
Wie nehmen die Teilnehmenden die neuen hybriden Angebote wahr?
Grundsätzlich gut. Das liegt auch daran, dass Hand in Hand mit der Qualifizierung auch die besonderen Hilfen hybrid erbracht werden können – per Klick-Doc, Telefon und Chat. Allerdings hat das mobile Lernen im Homeoffice für manche Teilnehmenden oft auch erschwerende Rahmenbedingungen, die durch das häusliche Umfeld bedingt sind. Die Teilnehmenden sind daher froh und dankbar, dass inzwischen die Qualifizierung in Präsenz wieder möglich ist. Sie bevorzugen diese Form, da sie ihnen eine gegenseitige Unterstützung ermöglicht und ein wesentlicher Faktor für die ganzheitliche berufliche Rehabilitation ist.